Dunkelheit
Zu Beginn des Sturms
Im Wald aus dem der kleine Wind zu kreiseln beginnt
Die Blätterscherben des Vorjahrs beschäftigen ihn
Zieht die Dunkelheit herauf steigt zu meinen Lippen
Der ich am Waldrand eingeschlafen bin ich gurgle auf
Und sehe den schwarzen Vogel wegfliegen
(Robert Schindel**)
Zenit
Klar wie Glas ist die Stunde:
Bleibt der Vogel unsichtbar Sehen wir die Farbe seines Gesangs.
(Octavio Paz*)
Glasnacht
Kristalline Nacht das Schwingen der Äste
Im beginnenden Sturm unter scheppernden Laternen
Setzt sich fort unentwegt in meinem Schädel. Auch als die Stille herabsteigt vom Orion die Galgen
Von einst aufgestellt für künftige Zeiten
Ächzen. Die umstehenden Weiden müssen tanzen
Mit den Wipfeln. In den Schlingen der Galgen
Keine Köpfe keine Hälse. Die SS-Männer gestorben
Im hohen Alter. Ich steh auf und schau aus dem Fenster
Auf den Fluss. Die Sterne verschwinden.
Kein Vogel im heller werdenden Himmel
Kein Flugzeug (…)
Die Wintersonne Geht auf der Traum entfliegt (…) (Robert Schindel*)
Fehlerchen
Obwohl ich bereits gestorben bin Höre ich durch mein Fenster im Erker
Vogelgezwitscher
Fink Star Drossel
Fink Star Drossel
Pirol
(Robert Schindel**)
*aus: Octavio Paz, „Gedichte“ bzw. „Das fünfarmige Delta“, Suhrkamp 1977 bzw. 2000 ** alle Gedichte von Robert Schindel aus „Flussgang“, Suhrkamp 2023