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Werke für Stimme / Chor
Werkzyklen

MANDRAGORA

mit oder ohne Sprecher und Ensemble

»MANDRAGORA
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Norbert Sterk

MANDRAGORA für Stimme und Ensemble (2007/13)

Der Klang des Wortes Mandragora und der Mythos dieser Pflanze - dem Erdreich entwurzelt, schreit sie - waren Inspirationsquellen.

Vor allem wurde die Komposition jedoch durch Bilder der Künstlerin Elisabeth Holzer und durch mein nahezu zeitgleich entstandenes Klaviertrio …aus Finsternissen losgelöst beeinflusst.

Die Gemälde und Kompositionen sind Teil des Zyklus „land of sleepless mirrors“ und entstanden gemeinsam: Die Musik folgt dem Malprozess, lässt sich von Gestus, Farbe und Form des gerade Gesehenen inspirieren, „malt“ weiter und übermalt. Niemals allerdings will die Musik Untermalung sein oder eine allgemeine Interpretation anbieten. Denn Musik erfindet das Gesehene neu und spinnt es weiter. Umgekehrt setzt die Malerin an Gehörtem an und verwandelt bereits in Musik Gesetztes noch einmal.

Es ist, als ob Musik und Bild einander hervorbringen würden. So entstehen Malerei und Musik eng aufeinander bezogen. Der Prozess der Entstehung wird durch Musik vorgeführt und nachvollziehbar. Es ist ein Zelebrieren des gegenseitigen Durchquerens… ein Verweilen, Verschweigen, Übertreiben, Herausnehmen, ein Sich-Verlieren…

Die Malerin/der Komponist nimmt von ihr/ihm „Entdecktes“ und „erzählt“ davon, jedes Medium auf seine Weise, Musik und Bild geben immer neue Antworten, langsam verwandelt und vertieft sich Wahrnehmung. Neue Perspektiven öffnen sich…

Der Zyklus ist der Versuch einer komponierten/gemalten, das heißt sehr langsamen, sehr verschieden gearteten Kontaktaufnahme mit Kunst. Dadurch erst erschließt und verändert sich Inhalt zunehmend. Die Kontaktaufnahme erfolgt zart, heftig, zustimmend oder ablehnend, übersehend…

Musik und Bild gleichen zwei Individuen, die einander begegnen und aufeinander reagieren (möglicherweise auch durch Nicht-Reagieren) in einer Art freiem Tanz.

Mandragora entstand 2007 im Auftrag des ensemble reconsil und wurde 2008 im Arnold Schönberg Center in Wien uraufgeführt.

2013 ließ sich der Wiener Poet Semier Insayif durch mein Klaviertrio ...aus Finsternissen losgelöst zu dem Gedicht nacht schatten gewächse anregen, dessen Worte ich in die heute Abend zum ersten Mal erklingende Version für Stimme und Ensemble hineinverwob.

nacht schatten gewächse

ein dringen

drängt langsam durch

die kahle schädelritze

schlingt sich mir

ins offene

zungenfenster

durch bricht körper

grenzen damm gewölbe

tritt über

alle ufer zäh

im fluss hin

fasernd

ab zu laufen

aus zu fransen

wie im strömen

streut ein

schwarzes

glühen

:licht:

ins hirngespinst

ein ein

und ein aus

und ein aus

und ein ein

aus einem krächzen

ein ächzen entnommen

ein seufzen aus

aller glieder zellen

gleitet haut an haut

in winkeln

schiebend sich ins

graue

faltenwurfgeflecht

gesichtslos

dicht an dich

gepresst

schöpfen sie

aus jedem atem

zug um zug

ein dunkles

blühen

 

© 2013 by semier insayif